Kultur-Transfair I [2011]

Ausgehend von der Fragestellung, wie Aneignung stattfindet bzw. forciert werden kann, kam die Idee auf, mit den Bewohnern Entwürfe für die Umgestaltung des Foyers im JUCA auszuarbeiten. Im Laufe des Projektes stellte sich jedoch heraus, dass die Umgestaltung des Foyers ein sehr schwieriges Unterfangen ist, da sowohl viele unterschiedliche Nutzergruppen (Bewohner, Mitarbeiter und Gäste von beiden) als auch sehr viele unterschiedliche Funktionen (Repräsentation, Aufenthaltsraum, „Verkehrsknoten“, Spendenausgabe) aufeinandertreffen. Wir haben uns daher dafür entschieden, andere Räume zu wählen und auch den Gestaltungsprozess auf das Aufhängen bzw. Ausstellen von selbstgemachten Fotos zu beschränken.
Eine Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben ist für die meisten BewohnerInnen unmöglich. Gründe dafür sind körperliche Beeinträchtigung, psychische Erkrankungen oder Verhaltensauffälligkeiten, die stigmatisieren.

Viele der Betreuten des Hauses Jona sind ohne Fernseher aufgewachsen, Kinobesuche waren üblich und beliebt. Unterschiedliche Schicksalsschläge haben dazu geführt, dass Kinobesuche in den letzten Jahren nicht mehr stattgefunden haben.

Das Österreichische Filmmuseum hat nun einer Gruppe von bis zu 12 Personen durch eine gezielte Auswahl, Vorbereitung und anschließende Diskussion einen maßgeschneiderten Querschnitt durch die Vielfalt des Mediums Film geboten.
Unser Ausgangspunkt war eine Verknüpfung zwischen den Interessen der Lehrlinge und den Inhalten der Secession herzustellen. Grundlage dafür war zum einen die Fassade der Secession, aber auch die von März bis Juni laufende Ausstellung des österreichischen Künstlers Alfons Egger. Das Gebäude ist auf seiner "Außenhaut" verziert mit Symbolen und Schriftzügen. Diese wurden untersucht, erforscht und auf Ihre Inhalte geprüft. Gleichzeitig fanden Überlegungen statt, welche Symbole und Schriftzüge für die Lehrlinge von Bedeutung sind, sie begleiten und beschäftigen, und welche sie selbst verwenden. Darauf aufbauend haben die Lehrlinge eigene Sprüche oder Textzeilen erstellt, gesammelt, gesucht, die für sie eine Bedeutung haben.

Fragestellungen zum Thema Schrift, Schriftarten, Typografie wurden untersucht. Hierbei konnten uns auch die historischen Plakate der Wiener Secession Inspiration geben, denn muss man eine Schrift immer leicht lesen können, oder geht es nicht manchmal viel mehr um deren Aussehen? Mittels erster Skizzen wurden eigene Ideen zu Papier gebracht. Die praktische Umsetzung erfolgte dann auf einer Holzplatte auf der angeregt durch das Vorbild von Alfons Egger die Sprüche und Symbole der Lehrlinge zwei- und dreidimensional umgesetzt und ausgestaltet werden konnten.
Rund 28 Lehrlinge aus drei Lehrbetrieben der Organisation Jugend am Werk (Lehrberufe: BuchhalterIn, Bürokaufleute, Einzelhandelskaufmann/frau, Garten- und GrünflächengestalterIn, Koch/Köchin, Medienfachmann/frau, Florist/in, WäschewarenerzeugerIn/Einzelhandel) kamen über zwei Monate verteilt immer wieder ins Tanzquartier Wien, um zeitgenössischen Tanz und Performance mit ihren eigenen Körpern zu erleben und aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Sie lernten in drei verschiedenen Workshops von namhaften ChoreografInnen (Akos Hargitay, Doris Uhlich und Lisa Hinterreithner mit Nils Olger) deren Tanz- und Arbeitsweise als TänzerInnen kennen.

Zudem schlüpften sie in die Rolle der ZuschauerInnen und entdeckten durch Videoscreenings und einen Vorstellungsbesuch noch weitere Möglichkeiten zeitgenössischer Choreografie. Schließlich standen sie selbst vor der Aufgabe, einen Auftritt zu choreografieren und diesen vor der Gruppe zu präsentieren.

Ihre Erwartungen, Erlebnisse und Reflexionen wurden von einer weiteren Gruppe von Lehrlingen aus dem Berufsfeld Medientechnik dokumentiert. Das daraus resultierende Video und die Fotografien wurden bei einer Abschlusspräsentation in einem Lehrbetrieb den KollegInnen und OrganisatorInnen vorgestellt.

Viele der Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren hatten noch nie die Gelegenheit, zeitgenössischen Tanz oder auch nur das Tanzquartier Wien / das Museumsquartier als Ort kennen zu lernen. In einer bunt durchmischten Gruppe aus drei Lehrbetrieben erhielten diese Jugendlichen im Rahmen dieses Projekts nun diese Möglichkeit des Kennenlernens, hatten einen wichtigen Ausgleich abseits ihrer Berufsausbildung und arbeiteten gemeinsam an einem Projekt.
Tanz die Toleranz, Brunnenpassage und ZOOM Kindermuseum führten von 2. bis 5. Juni 2011 ein Tanzprojekt für Kinder von 8 bis 12 Jahren in den Räumlichkeiten der Brunnenpassage und des ZOOM Kindermuseums durch. Das Projekt ermöglichte Kindern unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit oder sozialer Herkunft zu tanzen, zu forschen und selber kreativ zu sein. Dabei stand die soziale Komponente gleichberechtigt neben der künstlerischen. Im Rahmen der Kooperation mit dem ZOOM Kindermuseum und dessen Vielfalt eröffnen sich für Tanz die Toleranz und Brunnenpassage Möglichkeiten, die tänzerische Auseinandersetzung durch einen Zugang zu anderen Themen zu erweitern.

Ziel war es, Kinder aus der Umgebung des Brunnenmarktes mit Kindern aus dem Umfeld des ZOOM Kindermuseums zusammenzubringen. Das Interesse von Kindern an verschiedenen Kunstformen sollte geweckt, die Zusammenarbeit der Kinder gefördert und neue Formen der Begegnung ermöglicht werden.

Neben der Erarbeitung einer Choreographie hatten die Kinder die Möglichkeit, die ZOOM Mitmachausstellung „Die großen Ferien“ zu besuchen und im ZOOM Trickfilmstudio einen Film zu produzieren. Die Ergebnisse der kreativen Arbeit wurden am letzten Tag des Projekts Eltern, Freundinnen und Freunden und anderen Interessierten präsentiert.
Partnerschaften

Architekturzentrum Wien - Caritas Wien / JUCA Haus für junge Erwachsene

Österreichisches Filmmuseum - Caritas Wien / Haus Jona

Secession - Jugend am Werk / Lehrwerkstätte Lorenz-Müller-Gasse

Tanzquartier Wien - Jugend am Werk / Lehrbetrieb Siemensstraße

ZOOM Kindermuseum - Caritas Wien / Tanz die Toleranz und Brunnenpassage