Kultur-Transfair VII [2017]

"Jeder Mensch suche sich Vorbilder! ... Und es ist unwichtig, ob es sich dabei ... um Mahatma Gandhi oder um Onkel Fritz aus Braunschweig handelt, wenn es nur ein Mensch ist, der im gegebenen Augenblick ohne Wimpernzucken gesagt oder getan hat, wovor wir zögern." Erich Kästner

Wem eifern wir nach? Zu wem schauen wir auf? Was ist für uns ein Vorbild? Was finden wir bewundernswert? 15 junge Menschen mit Fluchthintergrund und unterschiedlichen Geschichten sowie Backgrounds trafen in untitled - Ein Rechercheprojekt zum Thema Vorbilder aufeinander. Von Mai bis Juni 2017 setzten sich die Teilnehmer*innen gemeinsam mit Ulla Steyrleuthner (Kunstvermittlerin Dschungel Wien/Theaterpädagogin (i.A.) und dem Choreografen/Tänzer Sayed Labib prozessorientiert mit theater- und tanzästhetischen Ausdrucksformen auseinander.

Auf Basis dieser Eindrücke entwickelten sie mit eigenen Texten, Choreografien und selbst gestalteten Fotocollagen eine Performance für die Bühne 3 im Dschungel Wien.
Wie sehe ich mich selbst? Wie kann ich mein Ich malerisch entdecken? Was erzählt das Gesicht des Anderen? Welche Gefühle drückt mein Körper aus? Welche Farben und welche Formen stehen für mich? Wie stelle ich mein Gegenüber dar? Und was bedeutet es ein "Wir" gemeinsam künstlerisch umzusetzen?

In der heutigen Zeit ist das "Selfie" allgegenwärtig! Ausgehend von der Sammlung "Wien um 1900" im Leopold Museum beleuchteten wir dieses Selbstdarstellungsmittel im Kontext von Malerei, Skulptur und Fotografie. Wir reflektierten dabei das eigene Ich, setzten es in Dialog mit dem Du und fanden im Atelier verschiedene künstlerische Zugänge zur Darstellung des Porträts.
Ziel von „wieder wohnen“ wohn:mobil ist die langfristige Wohnungssicherung von ehemals wohnungslosen Menschen. Das gemeinsame Projekt von MAK und „wieder wohnen“ wohn:mobil im Rahmen von Kultur-Transfair unterstützte dieses Ziel, indem Strategien zum Einrichten von Wohnungen (mit geringen zur Verfügung stehenden Mitteln) erarbeitet wurden. Dahinter steht die Annahme, dass man eine Wohnung behalten möchte, die man (selbst) eingerichtet hat und in der man sich wohlfühlt.

Als ExpertInnen ihrer Lebenswelt wurden die TeilnehmerInnen in einen gemeinsamen Design-Thinking-Prozess mit einem Designer sowie mit ExpertInnen von MAK, wohn:mobil und WUK (Selbsthilfewerkstatt) eingebunden. Das Projekt verfolgte dabei zwei Strategien: Zum einen lernten die TeilnehmerInnen Möglichkeiten des DIY (Do-It-Yourself) kennen und selbst anwenden, zum anderen sollten - durch Einbeziehung des ExpertInnenwissens der TeilnehmerInnen - möglichst viele andere KlientInnen von „wieder wohnen“ wohn:mobil von den Projektergebnissen profitieren. Dazu entstanden zwei Produkte im Rahmen des Projektprozesses: der Prototyp einer DIY-Küche sowie eine Broschüre und Videolanleitung, die die Bauanleitung dieser DIY-Küche beinhaltet und KlientInnen darüber hinaus Informationen zum Thema Einrichten und Selbermachen bietet.
Bei dieser Partnerschaft zwischen dem Naturhistorischen Museum Wien, Verein Station Wien, der Internationalen Organisation für Migration sowie dem Tanzquartier Wien wurden die Museumsexponate auf alternative Weise, nämlich durch Techniken des zeitgenössischen Tanzes bzw. durch Performance, erlebbar gemacht. Die Teilnahme war  für alle Interessierten möglich, mit Schwerpunkt Menschen mit Fluchtgeschichte.
Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung im Alter von 15 bis 30 Jahren werden über die Freizeitassistenz von integration wien begleitet.

Im Rahmen unseres Projekts haben bis zu 10 Jugendliche und jungen Erwachsene und ihre FreizeitassistentInnen, die sie begleiten, das Tanzquartier Wien als Institution und zeitgenössischen Tanz und Performance als Kunstform kennengelernt. In einer Reihe von Workshops, einer Hausführung, einem Vorstellungsbesuch und einer Abschlussreflexion, die von Februar bis Mai 2017
stattfanden, wurde den Teilnehmenden nicht nur die Möglichkeit geboten, sich kreativ auszudrücken und gemeinsame Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen, sondern es sollte ihnen auch der Zugang zu einer Kulturinstitution erleichtert werden.

Die Workshops wurden zum Teil von der bekannten Choreografin Doris Uhlich geleitet, die anderen Workshops von TänzerInnen aus der Kompanie, beziehungsweise anderen TänzerInnen, die Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung haben beziehungsweise selbst in Kompanien von Menschen mit und ohne Behinderung aktiv sind. Der Fotograf Nick Mangafas hat den Prozess fotografisch festgehalten. Die Bilder wurden den Teilnehmenden in kleinen Fotobüchern als Erinnerung geschenkt.
Partnerschaften

Dschungel Wien - Interface Wien

Leopold Museum - Verein GIN

MAK - wieder wohnen wohnmobil

Naturhistorisches Museum / Tanzquartier Wien - Verein Station Wien / Internationale Organisation für Migration

Tanzquartier Wien - Integration Wien